Der Hilfstransport Januar 2012

Am 2. Januar 2012 startete unser Hilfstransport mit 2 LKW mit Hängern, 2 Kleinbussen und 10 Helfern vom Verein Hilfstransport Greiz-Brest. Pünktlich zum russischen Weihnachtsfest wollten wir unsere Geschenke in Brest, BY, überbringen. Das Wetter war ideal zum Fahren – kein Schnee, kein Frost, keine Glätte, wenig Verkehr und relativ gute Straßenverhältnisse. In Brest herrscht ähnliches Wetter wie hier bei uns in Greiz – nur die Temperaturen weichen um wenige Grad ab und die Niederschläge sind 1 – 2 Tageverzögert. Auch in der Brester Region fiel bis jetzt der Winter aus.

Die etwa1000 km bis zur polnischen Grenze fuhren wir ohne große Pausen. Diese geradlinige Strecke ohne Kurven – immer ostwärts – zieht sich sehr in die Länge und ist relativ langweilig. Den Grenzübergang Terespol erreichten wir nach Mitternacht. Hier erfolgte die Abfertigung zügig. Die Beamten waren freundlich, es gab keine zusätzlichen Kontrollen, keine extra Lauferei. Gegen 3 Uhr erreichten wir die Weißrussische Pass- und Zollabfertigung. Hier mussten wir fast 16 Stunden zubringen. Anscheinend durchliefen wir sämtliche Kontrollen, die es nur gibt, mussten hin und her an alle Schalter, überall Stempel organisieren und dafür bezahlen. Die Ladelisten gefielen den Zöllnern nicht und mussten neu geschrieben werden. Wir fühlten uns dabei nicht wohl, denn wir sind hierhergefahren um Hilfe und Spenden zu überbringen, nicht um zu schmuggeln oder gegen Gesetze zu verstoßen oder den Staat zu schädigen. Als unsere Hoffnung schon fast am Ende war, wurde jedoch endlich alles verplombt und wir durften nach dem langen Aufenthalt im nasskalten Freien zum Stadtzoll weiterfahren. Dort blieben dann die LKW stehen. Wir waren überaus erleichtert, dass letzten Endes unseregesamte Ladung durchgekommen ist.

Am Dienstagabend, 3. Januar 2012, gegen 9 Uhrerreichten wir glücklich und total erschöpft unsere Quartiere. Am Mittwoch, 4.Januar 2012, trafen sich die Helfer am Vormittag beim Stadtzoll. Die LKW’s wurden nun in ein angemietetes Lager entladen und wieder verplombt. Das dauerte bis zum späten Nachmittag. Probleme gab es hierbei nicht mehr, wenn man von der strengen Aufsicht mehrerer Zollbeamter absieht. Hier in diesem Lager werden die Sendungen aufbewahrt bis der Präsident persönlich mit seiner Unterschrift die Verteilung gestattet. Wie lange das dauert ist nicht festgelegt. Manchmal konnten die Pakete schon nach 3 – 4 Wochen verteilt werden, es dauerte aber auch schon 10 – 12 Wochen. Aber immerhin – alle Spenden sind an Ort und Stelle. Den Abend verbrachten wir gemütlich mit unseren Gastfamilien, erzählten und berichteten.

Am nächsten Tag, 5. Januar 2012, besuchten wir einige Familien mit krebskrankenKindern. Diese Besuche sind äußerst wichtig, damit wir die Kinder in ihrem alltäglichen Umfeld kennenlernen können. So können wir mit eigenen Augen und ohne peinliche Fragen selbst erfassen, welche Probleme die Familie bewältigen muss. Wir können selbst sehen, was die Familie benötigt, mit welchen Mitteln ihr geholfen werden kann. An der alljährlichen Jolkafeier für alle krebskranken Kinder des Vereins „Kinder in Not Brest“ konnten wir dieses Jahr nicht teilnehmen, denn Weihnacht ist am 7. Januar und da waren wir schon wieder auf der Heimfahrt. Am Donnerstagnachmittag trafen wir uns aber mit den Leiterinnen der „Kinder in Not“ und besprachen ausführlich – ohne den Umweg über Post, Telefon oder Email – die Situation unserer Hilfsarbeit, anstehende Probleme und die vielen organisatorischen Details. Die Arbeit unserer Vereine muss gut aufeinander abgestimmt sein, damit die Hilfen reibungslos die Bedürftigen erreichen und zum Erfolg führen. Die Listen der krebskranken Kinder liegen uns vor und werden ständig aktualisiert. Im letzten Jahr starben zwei Kinder an ihrer Krebserkrankung, 24 neue an Krebs erkrankte Kinder im Alter von 3 bis 18 Jahren wurden in den Verein aufgenommen. Für jedes kranke Kind steht nun mindestens 1Paket im Lager bereit.

Doch unser Aufenthalt bei unseren Freunden in Brest warnach 2 Tagen schon zu Ende. Freitag, 6.Januar 2012, früh 10 Uhr starteten wir unsere Heimreise. Diesmal gab es an den Grenzen keinerlei nennenswerte Probleme, in ein paar Stunden war alles erledigt. Die Fahrt ging zügig voran und wir hatten keine Unfälle oder Erkrankungen zu beklagen. Nachts 3 Uhr kamen wir endlich in Greiz an, entluden die Autos, reinigten sie, gaben sie ihren Besitzern zurück und waren glücklich gegen 9 Uhr ins eigene Bett fallen zukönnen.

Die Reise selbst war wieder ein Erfolg, auch wenn alle noch sehnsüchtigauf die Verteilung der Pakete warten. Die Stadt Brest sah aus wie immer, aber wir merkten, dass die Preise gestiegen sind. Sie sind mindestens auf dem Niveau wie bei uns, auch höher. Die Läden scheinen gefüllt zu sein. Doch wir sahen, dass die Menschen immer deprimierter sind ob all ihrer Probleme und Schicksalsschläge. Woher sollen sie nur Hoffnung bekommen?!  Und dies ist immer wieder mein Ansporn: Unsere Spenden helfen wirklich und effektiv und unsere Anteilnahme und Verbundenheit lässt dies verzweifelten Menschen tatsächlich Hoffnung schöpfen. Wir bewirken mit unserer Anstrengung etwas. Jede noch so kleine Spende ist wichtig, zählt und hilft und wird mit riesiger Dankbarkeit und Herzlichkeit belohnt. Und deshalb lassen wir uns auch von all den Strapazen, die mit den Transporten verbunden sind, nicht kleinkriegen und organisieren den nächsten Transport für Ende Mai/Anfang Juni (vor Pfingsten) 2012.